Test Basis im Software Testing – warum sauberes Testen hier beginnt

andagon Team in #Test Basis #Software Testing #Testanalyse #QA Management · 10.02.2026 · 10 Min. Lesezeit

Die Test Basis ist das Fundament für strukturierte Tests: Aus ihr werden Testbedingungen und Testfälle abgeleitet. Erfahren Sie Definition (ISTQB), typische Artefakte, häufige Fehler sowie eine Checkliste für bessere Testabdeckung, Rückverfolgbarkeit und Risikopriorisierung.

Die Test Basis ist das Fundament für jedes strukturierte Software Testing. Ohne eine klar definierte Test Basis testen Teams auf Annahmen. Eine solide Testgrundlage trägt zum Erfolg des gesamten Teams bei: Tester erstellen robuste Testfälle, QA-Leiter priorisieren Risiken auf strukturierte Weise und Entscheidungsträger erhalten zuverlässige Informationen über die Softwarequalität. Der Begriff Test Basis spielt im Software Testing eine zentrale Rolle, da sie die Grundlage für die Planung, das Design und die Durchführung effektiver Tests bildet. Die Test Basis ist damit das Fundament für alle, die Softwarequalität sicherstellen wollen.

Zielgruppe und Nutzen: Dieser Artikel richtet sich an Tester, QA-Leads und Projektmanager, die ihre Testprozesse auf eine stabile Grundlage stellen möchten. Sie erfahren, wie eine saubere Test Basis die Effizienz steigert, Risiken minimiert und die Nachvollziehbarkeit im Testprozess sichert.

Umfang des Artikels: Im Folgenden erhalten Sie eine umfassende Übersicht zur Test Basis - von der Definition und Bedeutung über typische Fehlerquellen bis hin zu einer praxisnahen Checkliste und einem FAQ-Bereich. So können Sie die Test Basis gezielt in Ihrem Projektumfeld einsetzen und optimieren.

Ihr Nutzen auf einen Blick:

Eine gute Test Basis sorgt für weniger Nacharbeit, frühere Fehlererkennung und ermöglicht mehr Transparenz. Sie ermöglicht erst ein vollständiges und effektives Testmanagement. Für eine gute Qualitätssicherung müssen zusätzlich jedoch noch weitere Aspekte, die auf der Test Basis aufbauen, beachtet werden, darunter:

  • Testdokumentation: Umfasst Testpläne, Testprotokolle, Testberichte und weitere Dokumente, die den Testprozess strukturieren und nachvollziehbar machen.
  • Testdaten: Repräsentative Daten, die für die Durchführung der Tests benötigt werden und realistische Szenarien abbilden.
  • Testumgebungen: Die technischen Rahmenbedingungen, in denen die Tests ausgeführt werden, inklusive Hardware, Software und Netzwerkkonfigurationen.
  • Testwerkzeuge: Werkzeuge zur Unterstützung der Testdurchführung, Testautomatisierung und Testmanagement.
  • Organisation und Steuerung der Tests: Prozesse und Verantwortlichkeiten, die sicherstellen, dass Tests effizient geplant, durchgeführt und ausgewertet werden.
  • Risikobasierte Priorisierung: Ergänzend zur Testbasis ist eine Bewertung und Priorisierung von Risiken wichtig, um Testressourcen gezielt einzusetzen.

Ein Weg, die Bedeutung der Test Basis zu verstehen, ist der Vergleich mit der Planung eines Hauses: Wie ein Bauherr zunächst das Grundstück und die Baupläne genau kennen muss, bevor er mit dem Bau beginnt, so bildet die Test Basis die Grundlage für alle weiteren Testaktivitäten. Die Test Basis ist kein formaler Selbstzweck. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass Tests Risiken sichtbar machen und fundierte Entscheidungen ermöglichen. Eine solide Test Basis ist entscheidend für den Erfolg einer Software und fördert eine Kultur, in der Qualitätssicherung einen hohen Stellenwert hat. Die Test Basis bildet somit das Rückgrat für effektives und nachvollziehbares Software Testing.

Was ist eine Test Basis?

Kurzdefinition: Die Test Basis ist die Gesamtheit aller Artefakte, aus denen die Anforderungen an ein System oder eine Komponente abgeleitet werden können und auf deren Grundlage Tests entworfen werden. Die Test Basis umfasst alle Dokumente, aus denen die Anforderungen einer Komponente oder eines Systems abgeleitet werden können.

Gemäß dem ISTQB Glossar umfasst die Test Basis alle Dokumente, aus denen sich die Anforderungen an eine Komponente oder ein System ableiten lassen. Die Dokumentation, auf der die Testfälle basieren. Dazu zählen verschiedene Arten von Dokumenten wie Anforderungen, Benutzerhandbücher und Quellcode, die als Quellen für das Testdesign dienen. Sie ist kein einzelnes Dokument, sondern eine strukturierte Informationsbasis. Die Dokumentation stellt dabei die Sammlung aller relevanten Dokumente dar, die Anforderungen und Systemverhalten festlegen und als Grundlage für die Ableitung von Testfällen dienen.

Praxisrelevanz: Die Test Basis ist die Grundlage für die Analyse- und Designphase im Testprozess und dient als zentrale Informationsquelle für die Erstellung von Testfällen. Sie bildet den Rahmen für die systematische und strukturierte Testplanung und -durchführung. Stakeholder spielen eine wichtige Rolle, indem sie Anforderungen, Spezifikationen und Informationen für die Testbasis bereitstellen. Die Phase der Bewertung der Testbasis und der anschließenden Testplanung ist entscheidend für die Qualität und Effizienz des Testprozesses. Verschiedene Modelle der Softwareentwicklung und des Testens beeinflussen die Auswahl der Testmethodik und -strategie. Die Anpassung von Testverfahren an unterschiedliche Einsatzgebiete und Kontexte, wie etwa sicherheitskritische Software oder agile Projekte, ist dabei essenziell. Die Aufgabe der Teststeuerung und Risikoanalyse besteht darin, auf Grundlage der Testbasis Fehler zu erfassen, zu messen und risikobasiert zu planen. Die Ziele der Testaktivitäten sind die systematische Validierung von Software-Features und das Erreichen der erwarteten Ergebnisse. Details in User Stories verbessern die Verständlichkeit und Testbarkeit und ermöglichen effizientere Tests.

Wichtig für die Praxis: Aus der Test Basis entstehen zunächst Akzeptanzkriterien (Test Conditions). Erst daraus werden konkrete Testfälle entwickelt. Ist die Test Basis unklar, ist auch diese Ableitung fehleranfällig.

Welche konkreten Dokumente und Informationen bilden nun typischerweise die Test Basis? Das erfahren Sie im nächsten Abschnitt.

Welche Artefakte gehören zur Test Basis?

Die Test Basis besteht fast immer aus mehreren, verteilten Quellen. Sie umfasst sowohl funktionale als auch nicht-funktionale Anforderungen, User Stories, Flussdiagramme, Use Cases und Benutzerhandbücher.

Beispiele für typische Testartefakte helfen dabei, die Anwendung der Testbasis im praktischen Umfeld zu veranschaulichen.

Typische Artefakte

Fachliche Dokumente

  • Fachliche Anforderungen und Spezifikationen
  • User Stories inklusive Akzeptanzkriterien
  • Use Cases
  • Benutzerhandbücher

Technische Dokumente

  • Architektur- und Systemdokumentation
  • Schnittstellenbeschreibungen und Datenmodelle
  • Flussdiagramme

Regulatorische Vorgaben

  • Gesetzliche und regulatorische Vorgaben
  • Risikoanalysen, Annahmen und Randbedingungen

Qualitätsmerkmale

Entscheidend ist nicht die Menge der Dokumente, sondern deren Qualität, Konsistenz und Testbarkeit.

Test Basis Artefakte

Warum die Qualität der Test Basis Kosten und Risiko beeinflusst

Typische Folgen

  • Kritische Bereiche werden nicht oder zu spät getestet
  • Testfälle prüfen Nebensächlichkeiten statt Risiken
  • Testergebnisse werden falsch interpretiert

Eine unklare Testbasis führt zudem zu unzuverlässigen Ergebnissen, insbesondere bei automatisierten Regressionstests, da die Testergebnisse nicht eindeutig zu den Anforderungen zurückverfolgt werden können.

Fehler werden dadurch erst in späten Teststufen oder im Produktivbetrieb entdeckt. Der Aufwand für Korrekturen steigt erheblich.

Managementrelevanz

Für das Management entscheidend: Testberichte sind nur dann aussagekräftig, wenn klar ist, auf welcher Test Basis sie beruhen.

Warum die Test Basis Qualität, Kosten und Risiko beeinflusst

Die Bedeutung der Test Basis für Rückverfolgbarkeit, Testabdeckung, Risikopriorisierung und Fehlerfrüherkennung

Die Test Basis ermöglicht die Rückverfolgbarkeit zwischen Anforderungen und Testmittel. Dadurch können Sie jederzeit nachvollziehen, welche Anforderungen durch welche Testfälle abgedeckt sind. Eine strukturierte Dokumentation stellt sicher, dass jede Funktionalität testbar ist und Änderungen gezielt auf ihre Auswirkungen geprüft werden können.

Die Qualität der Test Basis ist entscheidend: Nur wenn die Informationen vollständig, konsistent und testbar sind, lassen sich daraus sinnvolle Testfälle ableiten. Eine frühzeitige, klare Definition der Anforderungen und deren strukturierte Dokumentation in User Stories oder Spezifikationen bilden die Grundlage einer effektiven Testbasis.

Ein risikobasierter Ansatz, der kritische Komponenten priorisiert, steigert die Effizienz des Tests. Stichwort: Risikobasiertes Testen bedeutet, dass die Testplanung gezielt anhand von Risiken erfolgt und nicht auf eine vollständige Testabdeckung abzielt. So werden Ressourcen gezielt dort eingesetzt, wo das größte Risiko für Fehler besteht.

Der Abgleich der Software mit der Test Basis ermöglicht es, Fehler frühzeitig zu identifizieren und zu beheben. So werden Defects nicht erst kurz vor dem Release oder im Produktivbetrieb entdeckt, sondern bereits in frühen Testphasen.

Test Basis ist nicht gleich Anforderungen

Ein häufiger Denkfehler: Anforderungen werden mit der Test Basis gleichgesetzt.

Anforderungen beantworten meist nur die Frage, was ein System tun soll. Für wirksame Tests braucht es jedoch zusätzlichen Kontext:

  • Unter welchen Bedingungen soll das Verhalten gelten?
  • Welche Abhängigkeiten bestehen?
  • Welche Fehlerszenarien sind kritisch?
  • Welche Qualitätsmerkmale sind relevant?

Im Testprozess bleibt oft etwas unklar oder nicht genau definiert. Daher ist Flexibilität im Umgang mit solchen nicht näher spezifizierten Anforderungen erforderlich.

In der Praxis sind Anforderungen oft fachlich korrekt, aber mehrdeutig oder nicht überprüfbar formuliert. Tester müssen dann interpretieren – und testen auf Basis von Annahmen und Erfahrung.

Test Basis und Testabdeckung (Test Coverage)

Wichtiges ISTQB-Prinzip:

Testabdeckung bezieht sich immer auf die Test Basis, nicht auf die Software „an sich“.

Eine Aussage wie „80 % Test Coverage“ ist nur sinnvoll, wenn klar ist:

  • 80 % wovon? → 80 % der Anforderungen, Risiken oder Regeln aus der Test Basis. Ohne sauber definierte Test Basis ist Test Coverage keine belastbare Metrik.

Test Basis in Abhängigkeit von Teststufen

Die Zusammensetzung der Test Basis variiert je nach Teststufe:

Teststufe Typische Test Basis
Unit Test Detailliertes Design, Code
Integration Test Architektur, Schnittstellen
System Test Systemanforderungen
Acceptance Test Business Requirements, Geschäftsregeln

Diese Zuordnung ist zentral für eine saubere Teststrategie und entspricht der klassischen ISTQB-Systematik.

Wie die Test Basis das Testdesign steuert

Jede Entscheidung im Testdesign leitet sich direkt aus der Test Basis ab.

Sie beeinflusst:

  • welche Testfälle entworfen werden
  • wie tief getestet wird
  • welche Tests priorisiert werden
  • wie hoch der Testaufwand ausfällt

Eine klare Test Basis ermöglicht zudem die effiziente Umsetzung der entwickelten Testpläne und Testfälle in die Praxis.

Ist die Test Basis unklar, entstehen entweder Übertests mit hohem Aufwand oder kritische Lücken, die Risiken verdecken. Beides ist ineffizient und vermeidbar.

Test Basis in agilen Projekten

Agilität ersetzt keine Test Basis – sie verändert ihre Form.

In agilen Projekten besteht die Test Basis häufig aus:

  • User Stories
  • Akzeptanzkriterien
  • Definition of Ready und Definition of Done
  • Architekturentscheidungen und technischen Spikes

Die Entwicklung und Pflege der Test Basis erfolgt im agilen Umfeld in enger Zusammenarbeit im Team, das gemeinsam Anforderungen, Testfälle und Risikobewertungen erarbeitet.

Der zentrale Unterschied: Die Test Basis ist hier dynamisch und entwickelt sich iterativ weiter. Sie wächst iterativ und muss kontinuierlich gepflegt werden. Fehlt diese kontinuierliche Pflege, arbeiten Tester zwangsläufig mit Annahmen statt mit belastbaren Fakten.

Eine verbreitete Fehlannahme lautet: „Agil heißt, wir klären das später.“ In der Praxis bedeutet das oft, dass Tester mit unvollständigen Informationen arbeiten und Risiken zu spät sichtbar werden.

Schnelles Feedback im agilen Testing ist entscheidend, um die Test Basis kontinuierlich zu verbessern und frühzeitig auf Veränderungen zu reagieren.

Mehr über Agilität erfahren sie in unserem Blogartikel unserer academy "Agiles Mindset: Was erfolgreiche Teams wirklich anders machen" und in unserem Webinar "Agile Werte und agiles Mindset".

Häufige Fehler aus der Praxis

Die meisten Probleme entstehen nicht durch fehlende Test Basis, sondern durch eine schlechte.

Typische Schwächen

  • unvollständige Informationen
  • veraltete Inhalte
  • Widersprüche zwischen Quellen
  • fehlende Testbarkeit
  • keine zentrale, nachvollziehbare Sicht auf die Grundlagen

Checkliste: Ist Ihre Test Basis ausreichend?

Die Qualität der Test Basis lässt sich systematisch prüfen.

Eine belastbare Test Basis ist:

  1. vollständig – alle relevanten Aspekte sind beschrieben
  2. konsistent – keine Widersprüche zwischen Quellen
  3. aktuell – sie spiegelt den Entwicklungsstand wider
  4. testbar formuliert – Aussagen sind überprüfbar
  5. nachvollziehbar dokumentiert – Entscheidungen und Annahmen sind transparent

Diese Checkliste eignet sich für Tester, QA-Leads und Projektverantwortliche gleichermaßen.

Test Basis, Compliance und regulatorische Risiken

Gesetzliche und regulatorische Vorgaben sind ein integraler Bestandteil der Test Basis.

Fehlen sie oder sind sie unklar:

  • entstehen Compliance-Risiken,
  • drohen rechtliche Konsequenzen,
  • wird Qualität zu einem unternehmerischen Risiko.

Eine saubere Test Basis reduziert nicht nur technische, sondern auch geschäftliche Risiken.

Wann Training oder externe Unterstützung sinnvoll ist

Wenn Probleme rund um Testfälle und Testabdeckung regelmäßig auftreten, fehlt meist Methodik – nicht Engagement.

Typische Anzeichen

  • wiederkehrende Diskussionen über „richtige“ Testfälle
  • späte Defects trotz hohem Testaufwand
  • Unsicherheit bei Abnahmen und Releases

In solchen Fällen helfen:

Wie sieht es mit Ihrer Testbasis aus? Wenn Sie sich nicht sicher sind, lassen Sie unsere Experten einen Blick darauf werfen und stellen sie uns eine unverbindliche Anfrage oder finden sie ein passendes Training, um Testen wieder auf belastbare Grundlagen zu stellen.

FAQ

FAQ 1: Was ist eine Test Basis im Software Testing?

Die Test Basis umfasst, laut ISTQB Glossary,* alle Dokumente, aus denen sich die Anforderungen an eine Komponente oder ein System ableiten lassen. Die Dokumentation, auf der die Testfälle basieren.* Dazu zählen verschiedene Arten von Dokumenten wie Anforderungen, Benutzerhandbücher und Quellcode, die als Quellen für das Testdesign dienen. Sie ist kein einzelnes Dokument, sondern eine strukturierte Informationsbasis. Somit ist die Test Basis eine Gesamtheit aller Informationen, auf deren Grundlage Tests geplant, entworfen und priorisiert werden – z. B. Anforderungen, Architektur und Risiken.

FAQ 2: Welche Dokumente gehören zur Test Basis?

Zur Test Basis zählen u. a. fachliche Anforderungen, User Stories, Akzeptanzkriterien, Systemarchitektur, Schnittstellenbeschreibungen und regulatorische Vorgaben.

FAQ 3: Was ist der Unterschied zwischen Test Basis und Anforderungen?

Anforderungen beschreiben, was ein System tun soll. Die Test Basis umfasst zusätzlich Kontext, Risiken und technische Rahmenbedingungen, die für wirksame Tests nötig sind.

FAQ 4: Warum ist die Test Basis so wichtig für Tester?

Eine klare Test Basis ermöglicht präzise Testfälle, sinnvolle Priorisierung und reduziert Fehltests sowie spätere Defects.

FAQ 5: Wie sieht eine Test Basis in agilen Projekten aus?

In agilen Projekten besteht die Test Basis häufig aus User Stories, Akzeptanzkriterien und Definition of Ready/Done und wird kontinuierlich weiterentwickelt.

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