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5 typische Fehler von neuen Test-Managern

5 typische Fehler von neuen Test-Managern

Wer einen Test-Manager engagiert, möchte seinen Testprozess natürlich verbessern. Oft fehlen in Unternehmen die professionelle Vorbereitung und Begleitung der Tests. Hier helfen externe Test-Manager, die die Planung und Führung übernehmen und damit die Effektivität der Abläufe verbessern und ständig kontrollieren. Auch bringt ein externer Test-Manager neue Perspektiven mit – was sich bezahlt macht. 

Als externer Profi ist es aber oft nicht einfach, IT-Projekte direkt zu überblicken und die richtigen Fragen zu stellen. Wir haben die fünf häufigsten Fehler von neuen Test-Managern hier gesammelt: 

1. Falsche Priorisierung der Anforderungen 

Beim Testen der Software soll im Testprozess überprüft werden, ob bzw. wie gut die festgelegten Anforderungen erfüllt werden. Eine wichtige Aufgabe, die ein hohes Fehlerpotential birgt, ist die Priorisierung der Anforderungen. Hierfür ist eine umfassende Kenntnis des Produkts unumgänglich, daher sollte ein guter Test-Manager zu Beginn insbesondere ein guter Zuhörer sein und sich gut mit dem Produkt vertraut machen. Bei der Priorisierung der Anforderungen ist für das Gesamtrisiko die Eintrittswahrscheinlichkeit und die Auswirkungen relevant: Tritt der beschriebene Use-Case recht häufig auf, die Auswirkungen eines dadurch entstehenden Defects sind jedoch gering, so ist diese Anforderung ggf. niedriger zu priorisieren als ein Use-Case, der zwar seltener auftritt, dafür aber massive Auswirkungen auf das Produkt mit sich bringt, wenn es zu einem Defect kommt. 

2. Defects bei der Abschätzung des Aufwands nicht richtig einkalkuliert 

Eine Frage, die besonders der Controlling- und Finanzabteilung unter den Nägeln brennen wird, ist eine Abschätzung des Aufwands: Wie viel Zeit (und damit Geld) kostet das Testen? Bei der Abschätzung des Testaufwands ist es daher besonders wichtig, immer damit zu rechnen, dass es bei der Durchführung der Testfälle auch zu Fehlern kommt und diese nachgestellt, dokumentiert und nach einem Fix auch nachgetestet werden müssen. Und nicht vergessen: Gibt es erstmal mindestens einen Defect, muss der dazugehörige Testfall wiederholt werden. Die Abschätzung des Aufwands ist eine sehr schwierige Aufgabe. Gute Test-Manager holen sich bei bestehenden IT-Systemen Erfahrungswerte aus der Fachabteilung und können auch bei unbekannten bzw. neuen Systemen auf eigene Erfahrungswerte zurückgreifen. Sie sind jedoch gut beraten, tendenziell mehr Zeit einzukalkulieren. Das gefällt zwar eventuell nicht allen im Unternehmen, verschafft im Testprozess aber einen wertvollen Puffer: Wenn weniger Defects auftreten, umso besser! 

3. Abläufe beim Defect-Workflow nicht klar definiert 

Dass er kommen wird, ist klar. Aber was genau passiert, wenn ein Defect gefunden wird, das sollte besser schon vor Beginn der Testläufe klar definiert sein. Hier ist der Test-Manager in einer Vermittler- und Planungsrolle: Er muss mit der Entwicklungsabteilung sprechen und einen Workflow entwickeln. Es muss geklärt sein, welche Status-Übergänge es gibt und wie der Entwickler den Defect mitgeteilt bekommt. Auch wie das Nachtesten genau abläuft, ist im Defect-Workflow zu definieren. Gute Tools unterstützen die Tester hierbei durch die Erfassung von Fehlern und die direkte Verknüpfung mit den Testläufen sowie die klare Festlegung der Statusübergange. 

4. Testdaten und Umgebungen zu spät anfordern 

Die Anforderungen sind priorisiert, die Testfälle geschrieben und die Tester angeleitet: Es kann losgehen. Aber nur fast, denn für den Softwaretest werden noch Testumgebungen, Zugangsdaten und Testdaten benötigt. Eine kurze Anfrage bei der IT-Abteilung – und je nach Unternehmensgröße kann schon drei bis vier Wochen später das Testen beginnen. Damit so etwas nicht passiert, sollte sich der Test-Manager schon früh um Testdaten und Testumgebungen kümmern und seine Wünsche mit den Fachabteilungen im Unternehmen absprechen. Nur so ist sichergestellt, dass Anpassungen bei der Firewall, die Freischaltung von Zugängen für die Tester und auch wichtige Testdaten (z.B. Adress- und Kreditkartendaten, die für Testkäufe einer Shopping-App genutzt werden können) zum Testbeginn vorliegen. Ein guter Test-Manager kümmert sich daher schon beim Schreiben der Testfälle um die Testdaten und -umgebung. 

5. Keine Testautomatisierung einplanen 

Vor der Testautomatisierung schrecken viele zurück: Der hohe initiale Aufwand und z.T. fehlende Ressourcen im Unternehmen führen oft dazu, dass eine Automatisierung früh beiseitegeschoben wird. Ein guter Testmanager schaut hier genauer hin: Besonders Testfälle, die z.B. aufgrund einer hohen Anforderungspriorisierung bei jedem Release wiederholt werden, sind ein optimaler Use-Case für Testautomatisierung. Als großer Vorteil ergibt sich oft eine Kostenersparnis: Nach der einmaligen Erstellung kann ein automatisierter Test ohne bzw. zu deutlich geringeren Kosten beliebig oft wiederholt werden, gleichzeitig sind automatisierte Tests deutlich schneller und verringen so die Durchlaufzeit. Je früher die Wichtigkeit der entsprechenden Testfälle erkannt wird, desto mehr lohnt sich die Automatisierung: Ein guter Test-Manager schlägt schon früh entsprechende Testfälle vor und erkennt nicht erst nach dem vierten Release, dass die Regressionstests in vielen Fällen gute Automatisierungskandidaten sind. 

In einigen Unternehmen fehlt schlicht das Personal, um den initialen Aufwand der Testautomatisierung zu stemmen. In solchen Fällen ist es die Aufgabe einen guten Testmanagers, bei der Projektleitung die Automatisierung vorzuschlagen und dabei den Use Case und die Kostenersparnis deutlich darzustellen. Für die Umsetzung sollte vom Testmanager externe Unterstützung anfordert werden. 

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen: Als neuer Test-Manager läuft die Begleitung des Testprozesses zu Beginn nicht immer hundertprozentig glatt. Mit unseren Experten-Tipps zu den fünf häufigsten Fehlern, bekommen angehende Test-Manager aber gute Hinweise für den richtigen Umgang mit der Anforderungspriorisierung, Defect-Workflow, Aufwandseinschätzung, der Planung von Automatisierung und dem Kontakt zu Fachabteilungen, um Testdaten und -umgebung einrichten zu lassen. 

Du bist selbst Tester und kennst weitere typische Fehlerquellen? Melde Dich gerne und wir veröffentlichen neue Tipps und Tricks zur Fehlervermeidung! Schreib einfach an welcome@andagon.com.

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