Nachhaltige Digitalisierung gemeinsam gestalten: andagon bei Bits & Bäume NRW 26

Dana Barnett in #Nachhaltigkeit #GreenIT Digitale Souveränität · 12.03.2026 · 4 Min. Lesezeit

Wie lassen sich technologischer Fortschritt und ökologische Verantwortung vereinen? Diese Frage stand im Mittelpunkt der zweitägigen Konferenz Bits & Bäume NRW 26 – und sie ist relevanter denn je.

Digitalisierung verbraucht Ressourcen: Rechenzentren, Endgeräte, Datenströme. Gleichzeitig bietet sie enormes Potenzial, nachhaltige Ziele effizienter zu erreichen. Wer diesen Widerspruch auflösen will, braucht den offenen Dialog zwischen Wissenschaft, Zivilgesellschaft und der Praxis. Genau dafür schuf Bits & Bäume NRW 26 den Rahmen – und wir waren dabei.

Was war Bits & Bäume NRW 26?

Die Konferenz wurde von Eine Welt Netz NRW und dem Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Münster koordiniert, unterstützt vom Center for Advanced Internet Studies (CAIS). Zwei Tage lang kamen Vertreter:innen aus Forschung, Verwaltung und Politik zusammen, um gemeinsam über die Schnittstelle von Digitalisierung und Nachhaltigkeit zu diskutieren.

Auf der Agenda standen Themen wie offene Daten, diskriminierungsfreie Algorithmen, digitale Souveränität und der ökologische Fußabdruck digitaler Infrastrukturen. Vertreter:innen des Sustainability Technologies Lab der Hochschule Bochum sowie von andagon people GmbH nahmen an der Veranstaltung teil.

Tag 1: Verstehen, wo wir stehen

Der erste Tag begann mit einem Überblick über den Stand der digitalen Transformation – inklusive ihrer Komplexität und der damit verbundenen Herausforderungen. Die Eröffnungsredner:innen machten deutlich: Es geht nicht nur um ökologische Auswirkungen. Nachhaltige Digitalisierung umfasst alle drei Säulen – ökologisch, sozial und wirtschaftlich – und deren Wechselwirkungen.

Workshop: Digitale Souveränität unter der Lupe

Ein zentrales Element der Konferenz waren vier parallele Workshops. Unser Team entschied sich für Workshop 2: „ Souveränität, Offenheit und Nachhaltigkeit als zentrale Kriterien für die Arbeit mit Software, Daten und künstlicher Intelligenz“ – thematisch eng an unseren Arbeitsschwerpunkten. Im Workshop analysierten die Teilnehmenden den Begriff „digitale Souveränität“ mithilfe von Affinity Mapping. Die erarbeiteten Kategorien decken sich mit zentralen Aspekten wie technologischer Unabhängigkeit und Data Governance. Diskutiert wurden unter anderem:

  • Vor- und Nachteile von FOSS (Free and Open-Source Software) im Vergleich zu kommerziellen Software-Lösungen
  • FAIR- und CARE-Prinzipien als Grundlage für verantwortungsvollen Umgang mit Daten
  • Sicherheit und digitale Kompetenz

Die Diskussionen brachten wertvolle Einblicke: Wie nehmen Akteurinnen und Akteure aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft diese Themen wahr? Wo gibt es blinde Flecken – auch in unserer eigenen Arbeit?

Podiumsdiskussion zum Tagesabschluss

Den Abschluss des ersten Tages bildete eine Podiumsdiskussion mit Julia Eisentraut (Bündnis 90/Grüne), Dr. André Ullrich (Weizenbaum Institut), Rainer Rehak (Bits & Bäume) und Dr. Lea Beiermann (Zentrum Digitale Souveränität, ZenDiS). Das Podium diskutierte offen, welche Herausforderungen NRW bei der digitalen Transformation bewältigen muss – und wie das gelingen kann, ohne die Nachhaltigkeitspfeiler aus dem Blick zu verlieren.

Es gab ehrliche Momente: Hinweise auf die angespannte Haushaltslage des Landes, Zögerlichkeit gegenüber Veränderungen und das Fehlen einer one-size-fits-all Lösung. Aber auch Orientierung und Zuversicht was die Einzelperson tun kann, wo Politik ansetzen sollte und wo die Wissenschaft stärker pushen muss. Im Mittelpunkt stand die Erkenntnis, dass Change Management und eine schrittweise, nachhaltige Entwicklung entscheidend sind. Nicht zuletzt im Hinblick auf die UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung (SDGs).

Tag 2: Lösungen entwickeln

Während Tag 1 das Verstehen in den Vordergrund stellte, war Tag 2 der Lösungsentwicklung gewidmet. Der Morgen begann mit einer Präsentation zur fairen und ethischen Gestaltung digitaler Infrastrukturen: Welche Designtrends zeichnen sich ab? Welche Ressourcen werden benötigt? Welche Auswirkungen, ob ökologisch, sozial oder wirtschaftlich, sind zu erwarten?

Projektentwicklung in drei Phasen

Der Kern des zweiten Tages war ein strukturierter Kreativprozess. Die Teilnehmenden wurden in drei Gruppen aufgeteilt: Zivilgesellschaft, Forschung und Bildung.

Phase 1 – Bedarfe und Angebote klären:

Jede Gruppe formulierte, was sie einbringen kann und was sie benötigt. Die Zivilgesellschaft braucht technisches Know-how, kann aber Netzwerkstrukturen bieten. Bildungseinrichtungen haben Zugang zu Studien und Fachexpertise, fehlt ihnen aber eine gemeinsame Plattform für den Austausch. Forschende bringen Expertise und Nachhaltigkeitsstrategien – stoßen aber oft auf bürokratische Hürden.

Phase 2 – Projektideen entwickeln:

Dreiköpfige Teams, jeweils eine Person aus jeder Gruppe, brainstormten konkrete Projektideen auf Basis der identifizierten Bedarfe.

Phase 3 – Projekte ausarbeiten:

Dieselben Teams entwickelten ihre Ideen weiter: Wie soll das Projekt funktionieren? Welchen Nutzen bringt es? Was macht es besonders? Welche Hürden sind zu erwarten?

Projektideen, die begeisterten

Die abschließenden Präsentationen zeigten die Bandbreite möglicher Ansätze. Einige Ideen adressierten spezifische Bedarfe – etwa die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Food-Sharing-Unternehmen. Andere widmeten sich Usability-Fragen, wie „Sophie In-Ear“: ein Konzept für Ohrhörer, die in Echtzeit Kommunikationshilfen bieten. Besonders überzeugend war der Ansatz eines Community-Driven Helpdesk, der schnelle und zuverlässige Antworten auf Fragen rund um Nachhaltigkeit bietet – getragen und gespeist von der Community selbst.

Whiteboard mit einer Übersicht über das Community-Driven-Helpdesk-Projekt

Was nehmen wir mit?

Bits & Bäume NRW 26 war mehr als eine Konferenz. Es war ein Raum, in dem unterschiedliche Perspektiven aufeinandertrafen und in dem deutlich wurde: Nachhaltige Digitalisierung ist keine Nischenfrage, sondern eine gesellschaftliche Gestaltungsaufgabe.

Für uns bei andagon bedeutet die Teilnahme dreierlei: ein besseres Verständnis der Bedarfe verschiedener Nutzer:innen- und Nutzer:innengruppen, neue Impulse für unsere eigene Arbeit im Bereich Green IT und konkrete Kontakte, mit denen wir diese Fragen gemeinsam weiterentwickeln können.

Die Veranstaltung endete mit dem Aufruf, Teil dieser Gemeinschaft zu werden und an den vorgestellten Projekten mitzuwirken. Wir nehmen diesen Impuls ernst.

Sie möchten mehr darüber erfahren, wie andagon nachhaltige IT-Lösungen unterstützt? Nehmen Sie unverbindlich Kontakt auf.

Vertreter:innen des Sustainability Technologies Lab der Hochschule Bochum und andagon people GmbH

Weitere Artikel